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Eine Creme, die vor einem Monat genau so gerochen hat, wie sie sollte, riecht heute ein wenig anders. Ihre Farbe hat sich verändert, die Textur ist dünnflüssiger und am Rand des Tiegels ist ein Fleck aufgetaucht, der gestern noch nicht da war.
Ist das Mikrobiologie? Vielleicht. Aber muss es nicht sein.
Die Abtrennung von Wasser von der Ölphase kann die Folge einer physikalischen Instabilität der Emulsion sein, die Verdunkelung kann mit Oxidation oder einer chemischen Reaktion einer der Komponenten zusammenhängen und die Veränderung des Geruchs zum Beispiel mit der Oxidation von Ölen oder der Parfümierung. Ein sichtlicher Belag oder Fleck erinnert zwar eher an eine mikrobielle Kontamination, aber ohne mikrobiologische Untersuchung lässt sich die Ursache des Problems nicht zuverlässig bestimmen.
Und das gilt auch umgekehrt: Ein kosmetisches Produkt kann völlig normal aussehen, riechen und wirken und trotzdem mikrobiologisch bereits nicht mehr einwandfrei sein.
Genau deshalb reicht es bei der Formulierung nicht aus, nur die Zusammensetzung, den Duft, die Textur und die physikalische Stabilität zu lösen. Die mikrobiologische Sicherheit ist ein gleichwertiger Bestandteil einer gut entwickelten Rezeptur.
Dieser Artikel knüpft an unser Thema Konservierungsstoffe in Kosmetika an und führt es einen Schritt weiter. Wir werden nicht nur behandeln, womit das Produkt konserviert wird, sondern vor allem warum Kosmetika verderben, was Mikroorganismen für ihr Wachstum benötigen und warum über die Sicherheit und Haltbarkeit eines Produktes niemals nur ein einziger Konservierungsstoff entscheidet.
Inhalt
Bakterien, Hefen und Schimmelpilze benötigen für ihr Wachstum ein geeignetes Milieu und eine der grundlegenden Voraussetzungen ist genügend verfügbares Wasser.
Daher unterscheidet sich das mikrobiologische Risiko einer Emulsion, eines Gels oder eines Toners grundlegend vom Risiko eines reinen Öls oder eines wasserfreien Balsams.
Wenn die Rezeptur eine Wasserphase enthält – zum Beispiel Wasser, Hydrolat, Aloe-Saft, einen wässrigen Pflanzenextrakt oder einen anderen wässrigen Rohstoff – müssen wir uns mit ihrer mikrobiologischen Stabilität befassen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es ausreicht, sich den Wasseranteil in der Rezeptur anzusehen. Für Mikroorganismen ist nämlich nicht nur entscheidend, wie viel Wasser das Produkt enthält, sondern wie viel davon für sie tatsächlich verfügbar ist.
Und damit kommen wir zu einem der wichtigsten Begriffe der mikrobiologischen Stabilität von Kosmetika.
Die Wasseraktivität – aw (water activity) beschreibt die Menge an Wasser, die in einem System für chemische und biologische Prozesse einschließlich mikrobiellen Wachstums verfügbar ist. Sie ist nicht dasselbe wie der Wasseranteil in der Rezeptur.
Zwei Produkte können eine ähnliche Wassermenge enthalten, aber eine unterschiedliche Wasseraktivität und damit ein unterschiedliches mikrobiologisches Risiko haben.
Die Wasseraktivität wird mit einem Wert von 0 bis 1 ausgedrückt. Reines Wasser hat ein aw sehr nahe bei 1. Je niedriger der Wert, desto weniger Wasser steht den Mikroorganismen zur Verfügung.
Formal wird aw als Verhältnis des Wasserdampfdrucks über dem Produkt zum Wasserdampfdruck über reinem Wasser bei gleicher Temperatur definiert. Für den Formulierer ist jedoch die praktische Interpretation wichtiger: Wasser kann in der Rezeptur vorhanden sein, aber nicht das gesamte Wasser ist für Mikroorganismen in gleichem Maße verfügbar.
Einige gelöste Stoffe binden Wasser und verringern dessen Verfügbarkeit. Dazu gehören zum Beispiel:
Daher kann ein konzentriertes Glycerin- oder stark salzhaltiges System eine deutlich geringere aw haben als eine klassische Emulsion mit einem ähnlichen Wasseranteil.
Dieses Prinzip kennen wir sehr gut aus der Lebensmitteltechnologie: Marmelade kann eine beträchtliche Menge an Wasser enthalten, aber die hohe Zuckerkonzentration verringert dessen Verfügbarkeit. Ähnlich wirkt Salz in stark gesalzenen Produkten.
In der Kosmetik ist jedoch Vorsicht geboten. Einige Prozent Glycerin in einer Feuchtigkeitscreme machen daraus noch kein mikrobiologisch stabiles Produkt ohne Konservierung. Übliche Konzentrationen von Feuchthaltemitteln senken die aw in der Regel nicht so weit, dass eine klassische Wasseremulsion als risikoarm gelten könnte.
Die Absenkung der Wasseraktivität ist daher eine der möglichen Schutzbarrieren, kein universeller Ersatz für das Konservierungssystem.
Auch Mikroorganismen haben nicht alle die gleichen Ansprüche. Im Allgemeinen benötigen viele Bakterien eine höhere Wasseraktivität, während einige Hefen und Schimmelpilze auch bei niedrigeren aw-Werten wachsen können.
Daher kann die Senkung der Wasseraktivität das Wachstum einzelner Gruppen von Mikroorganismen schrittweise einschränken, aber es gibt keine einfache universelle Grenze, unterhalb derer jedes kosmetische Produkt automatisch als sicher bezeichnet werden könnte.
Soll die niedrige Wasseraktivität Teil der fachlichen mikrobiologischen Argumentation für ein Produkt sein, sollte die aw am fertigen Produkt gemessen und nicht nur aus der Rezeptur abgeschätzt werden. Dies kann insbesondere bei Produkten wie folgenden interessant sein:
Bei der Konservierung von Kosmetika wird manchmal zu einfach gedacht: Im Produkt ist Wasser → wir fügen einen Konservierungsstoff hinzu → fertig.
Professionell entworfener mikrobiologischer Schutz ist komplexer. Es wird ein Prinzip verwendet, das man als Multibarrieren-Ansatz – Hurdle Technology bezeichnen kann.
Statt den Schutz des Produktes ausschließlich auf einen einzigen Konservierungsstoff aufzubauen, schaffen wir für Mikroorganismen mehrere Hindernisse gleichzeitig. Solche Barrieren können sein:
Die einzelnen Barrieren unterstützen sich gegenseitig. Das Ziel ist daher nicht, „den stärkstmöglichen Konservierungsstoff" oder möglichst viel davon zu verwenden. Viel sinnvoller ist es, das Produkt so zu entwerfen, dass das Konservierungssystem unter möglichst günstigen Bedingungen wirkt."
Neben klassischen Konservierungsstoffen treffen wir in modernen Formulierungen häufig auf Preservative Boosters – Konservierungs-Booster.
Das sind Stoffe, deren deklarierte kosmetische Hauptfunktion nicht unbedingt die Konservierung sein muss, die aber den antimikrobiellen Schutz der Formulierung unterstützen und die Wirksamkeit des gesamten Konservierungssystems erhöhen können.
Sie können über verschiedene Mechanismen wirken. Einige:
In kosmetischen Formulierungen können wir in dieser Rolle zum Beispiel auf folgende Stoffe treffen:
Ihre Stärke liegt vor allem in der Kombination mit weiteren Barrieren. So wird Ethylhexylglycerin häufig zusammen mit Phenoxyethanol eingesetzt. Für sich allein kann es nicht einfach als Ersatz für ein klassisches breit wirksames Konservierungssystem betrachtet werden, aber in Kombination kann es dessen Gesamtwirksamkeit verbessern.
Ähnlich können Glyceryl Caprylate oder Caprylyl Glycol zum antimikrobiellen Schutz beitragen, aber ihre tatsächliche Wirkung hängt von der Konzentration, dem pH-Wert, dem Emulsionstyp und weiteren Komponenten der Rezeptur ab.
Das ist ein wichtiger Punkt: Die bloße Anwesenheit eines Boosters bedeutet nicht automatisch, dass wir die Dosis des klassischen Konservierungsstoffes verringern können. Wenn wir das System optimieren oder die Konzentration eines Teils reduzieren wollen, müssen wir die Funktionalität der resultierenden Kombination am fertigen Produkt überprüfen.
Eine weitere Gruppe, die bei der Konservierung häufig im Hintergrund bleibt, sind Chelatbildner. Chelatoren binden Metallionen – zum Beispiel Eisen, Kupfer, Calcium oder Magnesium –, die aus dem Wasser, aus Pflanzenextrakten, mineralischen Rohstoffen, Spurenverunreinigungen in Rohstoffen oder aus der Produktionsanlage in das Produkt gelangen.
Für den Formulierer sind sie aus zwei Gründen interessant. Metallionen können oxidative Reaktionen katalysieren – schnellere Oxidation von Ölen, Farbveränderung, Abbau empfindlicher Wirkstoffe oder Entstehung unerwünschter Gerüche – sodass ihre Bindung die chemische Stabilität der Formulierung verbessert. Gleichzeitig benötigen viele Mikroorganismen Metallionen für die Funktion von Enzymen und metabolischen Prozessen; durch Chelatbildung werden sie ihnen entzogen, und bei einigen gramnegativen Bakterien beeinflusst dies zusätzlich die Stabilität der äußeren Membran und erhöht ihre Empfindlichkeit gegenüber weiteren antimikrobiellen Stoffen.
Ein Chelatbildner ist also kein Konservierungsstoff und löst für sich genommen die mikrobiologische Sicherung des Produktes in der Regel nicht. Er ist jedoch eine weitere Barriere, die das Konservierungssystem robuster machen kann.
Bei Formulierungen mit natürlicherem Profil greifen Sie zum Beispiel zu Sodium Phytate, eine sanfte Alternative ist Natriumgluconat und eine technologisch leistungsfähige, biologisch abbaubare Lösung ist Trilon M Max EcoBalanced. Und wieder gilt: Entscheidend ist nicht die bloße Anwesenheit eines Chelators, sondern seine Eignung für die konkrete Formulierung, die eingesetzte Menge und der pH-Wert. Ausführlicher gehen wir auf die Auswahl in einem eigenen Artikel über Chelatbildner ein.
Mikroorganismen tauchen nicht von selbst im Produkt auf. Sie müssen hineingelangen. Aus praktischer Sicht unterscheiden wir vor allem primäre und sekundäre Kontamination.
Die Quellen können sein:
Bei pflanzlichen Pulvern, Extrakten und einigen Naturrohstoffen kann die natürliche Keimbelastung deutlich höher sein als bei hochgereinigten synthetischen Rohstoffen. Auch deshalb kann der Konservierungsstoff gute Herstellungspraxis nicht ersetzen.
Die Aufgabe des Konservierungssystems ist es nicht, ein schlecht hergestelltes Produkt zu desinfizieren. Es soll ein korrekt hergestelltes Produkt während Lagerung und Anwendung schützen. Je höher die anfängliche mikrobielle Belastung ist, desto anspruchsvoller ist die Aufgabe des Konservierungssystems.
Das zweite Problem entsteht während der Verwendung des Produktes. Eine Creme im offenen Tiegel entnehmen wir mit den Fingern. Ein Körperpeeling steht in der Dusche und wird mit nasser Hand verwendet. In die Verpackung können Wasser, Tropfen aus dem Bad oder Verunreinigungen von der Haut gelangen.
Ein Serum, das in einer Airless-Verpackung verschlossen ist und bei dem der Anwender praktisch nicht mit dem Inhalt in Berührung kommt, ist einem völlig anderen Risiko ausgesetzt.
Daher ist die Verpackung nicht nur eine Design- oder Marketingangelegenheit. Sie ist Teil des mikrobiologischen Designs des Produktes. Airless-Spender, Pumpen und Verpackungen mit kleiner Dosieröffnung können die sekundäre Kontamination deutlich begrenzen. Ein breiter, offener Tiegel stellt ein höheres Risiko dar.
Mikrobielle Kontamination kann verursachen:
Anhand dieser Erscheinungen lässt sich jedoch nicht zuverlässig sagen, ob wir es mit Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen zu tun haben. Außerdem können die gleichen Veränderungen auch eine nicht-mikrobielle Ursache haben.
Die Phasentrennung einer Emulsion kann ein physikalisches Problem sein. Die Verdunkelung kann eine Oxidation sein. Ein unangenehmer Geruch kann durch den Abbau eines Öls entstehen. Deshalb ist das Aussehen des Produktes kein mikrobiologischer Test.
Und besonders wichtig ist Folgendes: Das Fehlen sichtbarer Veränderungen ist kein Beweis für mikrobiologische Reinheit. Das Produkt kann mikrobiologisch bereits nicht mehr in Ordnung sein, bevor sich sein Aussehen oder Geruch verändert.
Wenn jedoch auf der Kosmetik sichtlich Schimmel erscheint, reicht es nicht aus, den betroffenen Teil zu entfernen. Das gesamte Produkt ist als kontaminiert zu betrachten und darf nicht mehr verwendet werden.
Den pH-Wert eines kosmetischen Produktes berücksichtigen wir nicht nur wegen der Haut oder der Stabilität von Wirkstoffen. Er kann auch das Konservierungssystem maßgeblich beeinflussen.
Ein typisches Beispiel sind Konservierungssysteme auf der Basis von organischen Säuren, zum Beispiel Benzoe- oder Sorbinsäure und deren Salze. Ihre antimikrobielle Wirksamkeit hängt damit zusammen, welcher Anteil der Säure in der undissoziierten Form vorliegt. Dieses Verhältnis verändert sich in Abhängigkeit vom pH-Wert.
Das Ergebnis? Dieselbe Konzentration eines Konservierungsstoffes kann bei einem pH-Wert sehr gut wirken und bei einem höheren pH-Wert deutlich schwächer.
Daher reicht es nicht zu sagen: „Ich habe 1 % Konservierungsstoff eingesetzt." Die richtigen Fragen sind:"
Den pH-Wert messen wir am fertigen Produkt und während der Entwicklung ist es sinnvoll, seine Veränderung im Laufe der Stabilitätsprüfung zu verfolgen. Einige Rezepturen können ihren pH-Wert im Laufe der Zeit leicht ändern.
Ein universelles technologisches Verfahren für alle Konservierungssysteme gibt es nicht. Die technische Dokumentation des Herstellers des jeweiligen Konservierungsstoffes hat immer Vorrang.
In der Praxis gilt jedoch eine sehr häufige Regel: Viele moderne Konservierungssysteme werden am Ende des Herstellungsprozesses zugegeben, nachdem das Produkt auf etwa unter 40–45 °C abgekühlt ist. Das ist ein guter allgemeiner Formulierungsgrundsatz, kein universelles Gesetz.
Einige Konservierungsstoffe oder Komponenten von Konservierungsmischungen sind empfindlich gegenüber hohen Temperaturen oder langer Erwärmung, während andere Systeme eine andere Art der Einarbeitung ermöglichen oder erfordern. Daher prüfen wir immer:
Bei pH-sensitiven Konservierungssystemen ist es vorteilhaft, sie einer bereits praktisch fertiggestellten Rezeptur zuzugeben, bei der wir den ungefähren End-pH kennen. Die endgültige pH-Kontrolle erfolgt jedoch erst nach der Einarbeitung des Konservierungsstoffes und der übrigen Komponenten, da auch das Konservierungssystem selbst den pH-Wert der Rezeptur verändern kann.
Für Konservierungsstoffe gilt eine sehr wichtige Regel: Die empfohlene Dosierung des Lieferanten und der gesetzliche Grenzwert sind nicht dasselbe.
Der Lieferant eines kommerziellen Konservierungssystems kann beispielsweise eine Dosierung von 0,5–1,0 % empfehlen. Das ist eine Empfehlung für die jeweilige Mischung. Die europäische Gesetzgebung legt jedoch Höchstkonzentrationen der einzelnen Konservierungsstoffe im fertigen kosmetischen Produkt fest.
In der EU sind die zugelassenen Konservierungsstoffe und die Bedingungen für ihre Verwendung in Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel aufgeführt. Die Verordnung bestimmt zugleich, dass als Konservierungsstoffe die in diesem Anhang aufgeführten Stoffe und unter den dort festgelegten Bedingungen verwendet werden dürfen.
Zum Beispiel:
Für Parabene, Formaldehydabspalter und andere regulierte Konservierungsmittel sind ebenfalls konkrete Grenzwerte und Anwendungsbedingungen festgelegt.
Für den Formulierer ergibt sich daraus etwas sehr Praktisches. Es reicht nicht zu wissen: „Dieses Konservierungsmittel wird mit 1 % dosiert." Wir müssen auch seine INCI-Zusammensetzung und den Gehalt an regulierten Konservierungsstoffen kennen, um zu wissen, welche Mengen der einzelnen Stoffe letztlich im fertigen Produkt vorhanden sein werden."
Das gesetzliche Maximum ist dabei nicht die empfohlene Formulierungsdosierung. Es ist die höchste zulässige Konzentration unter festgelegten Bedingungen. Und umgekehrt gilt: Dass wir unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen, bedeutet noch nicht, dass das Produkt ausreichend konserviert ist. Die Wirksamkeit muss in der konkreten Formulierung gegeben sein.
Ein Konservierungsstoff existiert in der Rezeptur nicht isoliert. Seine Wirksamkeit kann beeinflusst werden durch:
Sehr interessant ist zum Beispiel die Verteilung des Konservierungsstoffes zwischen der Öl- und Wasserphase der Emulsion. Mikroorganismen benötigen für ihr Wachstum verfügbares Wasser, daher interessiert uns, wie viel des wirksamen Konservierungsstoffes tatsächlich in der Wasserphase verfügbar ist.
Wenn ein Stoff eine hohe Affinität zur Ölphase hat oder stark in Mizellen gebunden ist, die von Tensiden gebildet werden, kann seine Gesamtmenge im Produkt zwar korrekt sein, aber seine wirksame Verfügbarkeit dort, wo wir sie benötigen, kann geringer sein.
Auch deshalb gibt es keine einfache Gleichung: 1 % Konservierungsstoff = sichere Creme.
Airless, Pumpe, Flasche mit engem Hals und offener Tiegel stellen kein identisches mikrobiologisches Risiko dar. Bei einem Airless-System kommt der Anwender praktisch nicht mit dem Inhalt in Berührung. Beim Tiegel können bei jeder Anwendung folgende Dinge in das Produkt gelangen:
Besonders risikoreich kann die Verwendung von Produkten im Bad oder in der Dusche sein. Die Wahl der Verpackung kann daher beeinflussen, wie robust das gesamte Konservierungssystem sein muss. Aus mikrobiologischer Sicht entwerfen wir die Verpackung gemeinsam mit der Formulierung und nicht erst nach deren Fertigstellung.
Öle, Öl-Seren, anhydrische Balsame oder viele Körperbutter haben in der Regel ein niedriges mikrobiologisches Risiko, weil sie Mikroorganismen nicht genügend verfügbares Wasser für das Wachstum bieten. Das bedeutet jedoch nicht: ohne Wasser = automatisch ohne Risiko.
Stellen Sie sich ein wasserfreies Zucker- oder Salzpeeling in einem breiten Tiegel vor, der in der Dusche steht. Der Hersteller hat es zwar als anhydrisches Produkt abgefüllt, aber der Verbraucher greift wiederholt mit nassen Händen hinein und trägt kleine Mengen Wasser ein. Nach einigen Anwendungen kann das Mikroklima in einem Teil des Produktes bereits anders sein als bei der Herstellung.
Bei der Risikobewertung betrachten wir deshalb:
Ein anhydrisches Produkt in einer Pumpe stellt eine andere Situation dar als ein anhydrisches Peeling in einem offenen Tiegel in der Dusche.
Das gehört zu den häufigsten Missverständnissen bei der häuslichen Kosmetikherstellung. Tocopherol – Vitamin E – ist ein Antioxidans, kein antimikrobieller Konservierungsstoff. Seine Aufgabe ist in erster Linie, die Oxidation von Lipiden zu verlangsamen.
Es kann also helfen:
Es gewährleistet jedoch keinen ausreichenden Schutz eines wässrigen Produktes vor Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen. Oxidative Stabilität und mikrobiologische Stabilität sind zwei unterschiedliche Dinge. Ein Produkt kann hervorragend vor Oxidation geschützt und mikrobiologisch ungeeignet sein – oder umgekehrt.
Aus der Rezeptur allein können wir das nicht mit Sicherheit erkennen. Wir können einen geeigneten Konservierungsstoff auswählen, den pH-Wert richtig einstellen, einen Chelator, Booster und eine Airless-Verpackung einsetzen – trotzdem arbeiten wir nur mit einer Annahme, solange wir den antimikrobiellen Schutz des fertigen Produktes nicht überprüfen.
Dafür dient der Preservation Efficacy Test, üblicherweise als Challenge-Test bezeichnet. Beim Test wird das fertige Produkt kontrolliert mit definierten Mikroorganismen beimpft und anschließend wird über einen festgelegten Zeitraum die Entwicklung ihrer Anzahl verfolgt.
Ziel ist es nicht zu beweisen, dass Kosmetik steril ist. Kosmetik muss nicht steril sein. Ziel ist es zu prüfen, ob ihr antimikrobielles Schutzsystem die mikrobielle Belastung ausreichend reduzieren kann.
Der Referenzstandard ist ISO 11930:2019 – Cosmetics — Microbiology — Evaluation of the antimicrobial protection of a cosmetic product. Die Norm umfasst den Preservation Efficacy Test sowie das Verfahren zur Bewertung des gesamten antimikrobiellen Schutzes des Produktes. Zugleich geht sie davon aus, dass der klassische Challenge-Test nicht für Produkte mit geringem mikrobiologischem Risiko bestimmt ist, deren Risiko im Rahmen der entsprechenden Bewertung als niedrig eingestuft wurde.
Für 2026 ist die dritte Ausgabe der ISO 11930 in Vorbereitung, doch bislang handelt es sich um einen Entwurf und der aktuell veröffentlichte Standard bleibt ISO 11930:2019.
Das ist ein wichtiger Unterschied. „Enthält Wasser" bedeutet nicht automatisch „gib 1 % Konservierungsstoff dazu". Und „enthält kein Wasser" bedeutet nicht automatisch „Mikrobiologie muss ich nicht lösen". Wir beurteilen immer das konkrete Produkt.
Statt der Frage: „Wie viele Prozent Konservierungsstoff soll ich hinzufügen?" ist es sinnvoller, systematisch vorzugehen."
Und genau damit hört Konservierung auf, eine Frage von nur einem Rohstoff zu sein.
Wenn Sie eine Emulsion, ein Gel, ein Tonikum, ein Serum oder andere Kosmetika mit einer Wasserphase herstellen, wählen Sie den Konservierungsstoff nicht nur danach aus, ob er als „natürlich" gekennzeichnet ist
Betrachten Sie das gesamte System: pH-Wert, Produktzusammensetzung, Wasseraktivität, Emulsionstyp, eingesetzte Wirkstoffe, empfohlene Dosierung, Art der Einarbeitung und auch die Verpackung.
In unserem Angebot an Konservierungsstoffen finden Sie verschiedene Systeme, die für unterschiedliche Formulierungstypen geeignet sind. Für jedes von ihnen empfehlen wir, mit der technischen Dokumentation des Herstellers zu arbeiten und dessen empfohlene Konzentration, Verarbeitungstemperatur und pH-Bereich zu respektieren.
Beim Entwurf eines robusteren Systems lohnt es sich, auch einen Blick auf Konservierungs-Booster und Chelatbildner zu werfen, die ein passend gewähltes Konservierungssystem unterstützen können.
Wenn Sie noch nicht wissen, welcher Konservierungsstoff für Ihre Rezeptur geeignet ist, lesen Sie weiter in unserem Artikel über Konservierungsstoffe, in dem wir die einzelnen Typen und ihre Anwendung ausführlicher besprechen.
Die mikrobiologische Sicherheit von Kosmetika entsteht nicht in dem Moment, in dem wir der Rezeptur einen Konservierungsstoff hinzufügen. Sie beginnt mit der Qualität des Wassers und der Rohstoffe, setzt sich in der Herstellungshygiene und dem Formulierungsdesign fort und endet mit einer geeigneten Verpackung, der Art der Anwendung und der Überprüfung des fertigen Produktes.
Jede Barriere wirkt auf eine etwas andere Weise, und gerade durch ihre Kombination können wir ein robustes Produkt schaffen, ohne uns auf einen einzigen Stoff zu verlassen.
Daher die Frage: „Welcher Konservierungsstoff ist der beste?