Ätherische Öle erfreuen sich in der heutigen Zeit großer Beliebtheit, wobei sich ihre Anwendung von der traditionellen Aromatherapie auch auf den Bereich der innerlichen Einnahme ausgeweitet hat. Obwohl man sich im Internet und in sozialen Netzwerken häufig mit Empfehlungen zur innerlichen Anwendung von ätherischen Ölen konfrontiert sieht, nimmt die Fachwelt zu diesem Ansatz eine zurückhaltende Haltung ein.
Über diesen Artikel
In diesem Artikel erklären wir, warum von der innerlichen Anwendung ätherischer Öle in der häuslichen Aromatherapie abgeraten wird, und stellen wissenschaftlich fundierte Argumente in diesem Bereich vor. Wir gehen auf die extreme Konzentration ätherischer Öle, das Toxizitätsrisiko einzelner Sorten, die fehlende Regulierung sowie die spezifischen Risiken der innerlichen Anwendung ein — und fassen zum Schluss zusammen, wie Sie ätherische Öle sicher anwenden.
Bestandteil des Artikels ist auch die Vorstellung des Tisserand Institute, dessen Empfehlungen als fachlicher Standard in der internationalen aromatherapeutischen Gemeinschaft angesehen werden.
Warum wir die innerliche Anwendung nicht empfehlen
- Extreme Konzentration
Ätherisches Öl in der Flasche ist 50 – 100 Mal konzentrierter als in der Ausgangspflanze, was entscheidende Auswirkungen auf die Anwendungssicherheit hat.
- Hohe Bioverfügbarkeit
Beim Verschlucken gelangt nahezu die gesamte Dosis in den Blutkreislauf — bis zu 95 %. Das ist eine große Belastung für die Leber und ein Toxizitätsrisiko.
- Potenziell toxische Bestandteile
Carvacrol im Oregano, Thymol im Thymian oder Zimtaldehyd im Zimt können die Schleimhäute reizen und hepatotoxisch wirken; Wintergreen mit seinem Gehalt an Methylsalicylat kann schon in geringen Mengen schwere Vergiftungen verursachen.
- Unzureichende Regulierung
Ätherische Öle, die zur innerlichen Einnahme bestimmt sind, unterliegen keiner strengen Regulierung, und es sind für sie keine standardisierten Dosierungen festgelegt.
- Es gibt sichere Anwendungsformen
Inhalation, topische Anwendung in Verdünnung (Massagemischungen 1 – 3 %, Kosmetik 0,5 – 1 %) und aromatische Bäder über einen Solubilisator oder Emulgator.
Die Zahlen in Kürze
Was ist das Tisserand Institute und warum ist es wichtig
Das Tisserand Institute ist eine international anerkannte Organisation, die von Robert Tisserand, einem der bedeutendsten Experten für die Sicherheit ätherischer Öle, gegründet wurde. Robert Tisserand ist Autor des ersten englischsprachigen Buches über Aromatherapie aus dem Jahr 1977 und Mitautor der zweiten Auflage der Publikation „Essential Oil Safety“, die zum Goldstandard für die Festlegung von Sicherheitsrichtlinien in diesem Bereich geworden ist.
Das Tisserand Institute ist auf die Übertragung der neuesten wissenschaftlichen Forschung in evidenzbasierte Weiterbildung mit Schwerpunkt auf Sicherheit und Nutzen ätherischer Öle spezialisiert. Die Organisation bietet objektive Informationen, die auf wissenschaftlichen Belegen basieren, und trägt damit zur Schaffung sicherer Standards für die Verwendung ätherischer Öle in der gesamten Branche bei. Seine Empfehlungen werden als fachlicher Standard in der internationalen aromatherapeutischen Gemeinschaft angesehen und häufig auch von Regulierungsbehörden und Kosmetikherstellern zitiert.

Konzentration und Wirksamkeit
Eines der Schlüsselargumente gegen die innerliche Anwendung ätherischer Öle ist ihre extreme Konzentration. Ätherisches Öl in der Flasche ist 50 – 100 Mal konzentrierter als in der Ausgangspflanze. Diese Tatsache hat entscheidende Auswirkungen auf die Anwendungssicherheit.
Zur Veranschaulichung: Ein Tropfen ätherisches Öl der Pfefferminze entspricht ungefähr 26 – 28 Tassen Pfefferminztee. Eine solche Konzentration kann eine Reizung der Schleimhäute des Verdauungstrakts verursachen, wobei es bei langfristiger Anwendung zu Schädigungen von Leber oder Nieren kommen kann.
Für die Herstellung von 1 Liter ätherischem Pfefferminzöl werden ungefähr 200 – 250 kg frische Blätter benötigt. Im Fall der Zitronenmelisse (Melissa officinalis) sind es sogar 3 – 5 Tonnen Pflanzenmaterial. Dies erklärt den hohen Preis von Melissenöl sowie die extreme Konzentration der wirksamen Stoffe.
Die Bioverfügbarkeit ätherischer Öle beträgt bei innerlicher Einnahme bis zu 95 %, bei Inhalation etwa 50 % und bei Applikation auf die Haut nur circa 5 %. Das bedeutet, dass beim Verschlucken nahezu die gesamte Dosis in den Blutkreislauf gelangt — was eine große Belastung für die Leber und ein Toxizitätsrisiko darstellt.
Toxizitätsrisiko
Viele ätherische Öle enthalten Stoffe, die bei innerlicher Anwendung potenziell toxisch sind. Zu den risikoreichsten zählen:
Oregano (Origanum vulgare)
- Enthält hohe Konzentrationen an Carvacrol (60 – 80 %)
- Kann Schleimhautreizungen und Hepatotoxizität verursachen
- Interagiert mit in der Leber metabolisierten Arzneimitteln
Thymian (Thymus vulgaris)
- Enthält bis zu 54 % Thymol
- Hohe Dosen können Reizungen des Gastrointestinaltrakts verursachen
- Potenzielle hepatotoxische Wirkungen
Zimtrinde (Cinnamomum verum)
- Enthält 50 – 90 % Zimtaldehyd
- Kann allergische Reaktionen und Schleimhautschäden verursachen
- Hohes Risiko einer Hepatotoxizität
Eukalyptus (Eucalyptus globulus)
- Enthält 60 – 85 % 1,8-Cineol
- Kann Atemprobleme und neurologische Symptome verursachen
- Besonders gefährlich für Kinder
Wintergreen (Gaultheria procumbens)
- Enthält bis zu 98 % Methylsalicylat
- Schon geringe Mengen können schwere Vergiftungen verursachen
Tea Tree (Melaleuca alternifolia)
- Bei innerlicher Einnahme toxisch
- Vergiftungsfälle bei Kindern sind bereits bei wenigen ml dokumentiert
Die genannten Öle finden Sie in unserem Sortiment — zum Beispiel Thymian rot, Eukalyptus Globulus, Wintergreen (Gaultheria) oder Tea Tree — ausschließlich für Zwecke der Aromatherapie und der Herstellung von Kosmetika, nicht zum Verzehr.
Unzureichende Regulierung und Standardisierung
Im Gegensatz zu pharmazeutischen Präparaten unterliegen ätherische Öle, die zur innerlichen Einnahme bestimmt sind, keiner strengen Regulierung. Es sind keine standardisierten Dosierungen festgelegt, was zu Situationen führt, in denen Verbraucher nicht über ausreichende Informationen zu sicheren Mengen verfügen.
In der Lebensmittelindustrie werden einige Bestandteile ätherischer Öle als Aromen verwendet (GRAS — Generally Recognized As Safe), jedoch handelt es sich um hochgereinigte Stoffe und um Mikromengen. Das ist grundsätzlich unterschiedlich zur Verwendung üblicher ätherischer Öle, die für Kosmetik oder Aromatherapie verkauft werden. Das Bewerben kosmetischer ätherischer Öle als „für den Verzehr geeignet“ kann im Widerspruch zur Gesetzgebung stehen.

Spezifische Risiken der innerlichen Anwendung
Schädigung des Verdauungssystems
- Brennen und Reizung in der Mundhöhle
- Plötzliches Erbrechen und Übelkeit
- Gastroösophagealer Reflux
- Schädigung des Zahnschmelzes bei direktem Kontakt
Hepatotoxizität
- Die Leber ist das Hauptorgan, das für die Detoxifikation ätherischer Öle verantwortlich ist
- Längerfristige oder hohe Dosen können Schädigungen der Hepatozyten, erhöhte Enzymwerte oder eine akute Hepatitis verursachen
Arzneimittelinteraktionen
- Ätherische Öle können den Arzneimittelmetabolismus über das Cytochrom P450 wesentlich beeinflussen
- Es kann zu einer Erhöhung oder Verringerung der Arzneimittelwirkung und zu toxischen Spiegeln kommen
Neurologische Wirkungen
- Schwindel und Desorientierung
- Konvulsionen bei hohen Dosen
- Depression des zentralen Nervensystems
Sichere Anwendungsformen ätherischer Öle
Inhalation
- Aromatherapeutische Diffusoren (elektrische oder mit Kerze)
- Inhalation aus einer Schüssel mit warmem Wasser
Topische Anwendung
- Massagemischungen (1 – 3 % Konzentration)
- Kosmetische Zubereitungen (0,5 – 1 % Konzentration)
- Immer die Grenzwerte und Anwendungskategorien gemäß IFRA beachten
Aromatische Bäder
- Ätherische Öle, die dem Bad zugesetzt werden, immer über einen Solubilisator oder Emulgator oder in Form von Badesalz
- Eine richtige Verdünnung minimiert das Risiko von Hautreizungen
Zum Lösen ätherischer Öle in der Wasserphase eignet sich zum Beispiel Polyglyceryl-10 Laurate, Solubilisator oder Symbio solv clear plus; als Grundlage für Badesalz eignet sich Meersalz.
Fazit
Die innerliche Anwendung ätherischer Öle stellt im Vergleich zu den potenziellen Nutzen ein unverhältnismäßig hohes Risiko dar. Die extreme Konzentration wirksamer Stoffe, die unzureichende Regulierung und die Möglichkeit schwerwiegender Nebenwirkungen machen diese Praxis für die Laienöffentlichkeit gefährlich.
Die innerliche Anwendung ätherischer Öle sollte ausschließlich unter Aufsicht qualifizierter medizinischer Fachkräfte mit entsprechenden Kenntnissen über Aromatherapie und Interaktionen ätherischer Öle stattfinden. In der Europäischen Union werden ätherische Öle nur dann als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, wenn sie strenge Qualitäts- und Sicherheitskriterien erfüllen. Die meisten auf dem Markt verfügbaren ätherischen Öle sind jedoch nicht für die innerliche Anwendung bestimmt, und ihr Verkauf zu diesem Zweck kann im Widerspruch zur Gesetzgebung stehen.
Obwohl viele ätherische Öle aus unserem Sortiment als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft sind, empfehlen wir ihre innerliche Anwendung nicht und verkaufen sie ausschließlich für Zwecke der Aromatherapie und der Herstellung von Kosmetika.
Häufige Fragen zur Sicherheit ätherischer Öle
Praktische Fragen zur Konzentration ätherischer Öle, zu den risikoreichsten Sorten, zur Regulierung und dazu, wie man sie sicher anwendet.
Warum empfehlen Sie die innerliche Anwendung ätherischer Öle nicht?
Die innerliche Anwendung stellt ein unverhältnismäßig hohes Risiko im Vergleich zu den potenziellen Nutzen dar. Der Grund sind die extreme Konzentration wirksamer Stoffe, die unzureichende Regulierung und die Möglichkeit schwerwiegender Nebenwirkungen — was diese Praxis für die Laienöffentlichkeit gefährlich macht. Sie sollte ausschließlich unter Aufsicht qualifizierter medizinischer Fachkräfte mit Kenntnissen über Aromatherapie und Interaktionen ätherischer Öle stattfinden.
Um wie viel ist ätherisches Öl konzentrierter als die Ausgangspflanze?
Ätherisches Öl in der Flasche ist 50 – 100 Mal konzentrierter als in der Ausgangspflanze. Ein Tropfen Pfefferminzöl entspricht ungefähr 26 – 28 Tassen Pfefferminztee. Für die Herstellung von 1 Liter Pfefferminzöl werden ungefähr 200 – 250 kg frische Blätter benötigt, im Fall der Zitronenmelisse (Melissa officinalis) sogar 3 – 5 Tonnen Pflanzenmaterial.
Welche ätherischen Öle zählen bei innerlicher Einnahme zu den risikoreichsten?
Oregano (Carvacrol 60 – 80 %), Thymian (bis zu 54 % Thymol), Zimtrinde (50 – 90 % Zimtaldehyd), Eukalyptus (60 – 85 % 1,8-Cineol, besonders gefährlich für Kinder), Wintergreen (bis zu 98 % Methylsalicylat — schon geringe Mengen können schwere Vergiftungen verursachen) und Tea Tree, bei dem Vergiftungsfälle bei Kindern bereits bei wenigen ml dokumentiert sind.
Warum ist das Verschlucken risikoreicher als die Inhalation oder die Anwendung auf der Haut?
Entscheidend ist die Bioverfügbarkeit: bei innerlicher Einnahme bis zu 95 %, bei Inhalation etwa 50 % und bei Applikation auf die Haut nur circa 5 %. Beim Verschlucken gelangt also nahezu die gesamte Dosis in den Blutkreislauf — was eine große Belastung für die Leber und ein Toxizitätsrisiko darstellt.
Werden ätherische Öle nicht auch in der Lebensmittelindustrie verwendet?
In der Lebensmittelindustrie werden einige Bestandteile ätherischer Öle als Aromen verwendet (GRAS — Generally Recognized As Safe), jedoch handelt es sich um hochgereinigte Stoffe und um Mikromengen. Das ist grundsätzlich unterschiedlich zur Verwendung üblicher ätherischer Öle, die für Kosmetik oder Aromatherapie verkauft werden — das Bewerben kosmetischer ätherischer Öle als „für den Verzehr geeignet“ kann im Widerspruch zur Gesetzgebung stehen.
Wie wendet man ätherische Öle also sicher an?
Durch Inhalation (aromatherapeutische Diffusoren — elektrische oder mit Kerze, gegebenenfalls Inhalation aus einer Schüssel mit warmem Wasser), durch topische Anwendung in Verdünnung — Massagemischungen 1 – 3 %, kosmetische Zubereitungen 0,5 – 1 % und immer unter Beachtung der Grenzwerte und Anwendungskategorien gemäß IFRA — sowie in aromatischen Bädern, in denen ätherische Öle immer über einen Solubilisator oder Emulgator, gegebenenfalls in Form von Badesalz zugesetzt werden. Eine richtige Verdünnung minimiert das Risiko von Hautreizungen.
Verkaufen Sie ätherische Öle zur innerlichen Anwendung?
Nein. Obwohl viele ätherische Öle aus unserem Sortiment als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft sind, empfehlen wir ihre innerliche Anwendung nicht und verkaufen sie ausschließlich für Zwecke der Aromatherapie und der Herstellung von Kosmetika.
Diffusoren, Massagemischungen, kosmetische Zubereitungen und aromatische Bäder — für alle sicheren Anwendungsformen finden Sie ätherische Öle im Sortiment von Handymade.


