Sicherheit von ätherischen Ölen: Warum wird von ihrer innerlichen Anwendung abgeraten?

Zurück 28. 08. 2025

Welche Risiken sind mit der innerlichen Anwendung von ätherischen Ölen verbunden?

In der heutigen Zeit erfreuen sich ätherische Öle großer Beliebtheit, wobei sich ihre Anwendung von der traditionellen Aromatherapie auch auf den Bereich der innerlichen Einnahme ausgeweitet hat. Obwohl man sich im Internet und in sozialen Netzwerken häufig mit Empfehlungen zur innerlichen Anwendung von ätherischen Ölen konfrontiert sieht, nimmt die Fachwelt zu diesem Ansatz eine zurückhaltende Haltung ein. In diesem Artikel erklären wir, warum von der innerlichen Anwendung ätherischer Öle in der häuslichen Aromatherapie abgeraten wird, und stellen wissenschaftlich fundierte Argumente in diesem Bereich vor.

Konzentration und Wirksamkeit

Eines der Schlüsselargumente gegen die innerliche Anwendung ätherischer Öle ist ihre extreme Konzentration. Ätherisches Öl in der Flasche ist 50–100 Mal konzentrierter als in der Ausgangspflanze. Diese Tatsache hat entscheidende Auswirkungen auf die Anwendungssicherheit.

Zur Veranschaulichung: Ein Tropfen ätherisches Pfefferminzöl entspricht ungefähr 26–28 Tassen Pfefferminztee. Eine solche Konzentration kann eine Reizung der Schleimhäute des Verdauungstrakts verursachen, wobei es bei langfristiger Anwendung zu Schädigungen von Leber oder Nieren kommen kann.

Für die Herstellung von 1 Liter ätherischem Pfefferminzöl werden ungefähr 200–250 kg frische Blätter benötigt. Im Fall von Zitronenmelisse (Melissa officinalis) sind es sogar 3–5 Tonnen Pflanzenmaterial. Dies erklärt den hohen Preis von Melissenöl sowie die extreme Konzentration der wirksamen Stoffe.

Die Bioverfügbarkeit ätherischer Öle bei innerlicher Einnahme beträgt bis zu 95 %, bei Inhalation etwa 50 % und bei Applikation auf die Haut nur circa 5 %. Das bedeutet, dass beim Verschlucken nahezu die gesamte Dosis in den Blutkreislauf gelangt – was eine große Belastung für die Leber und ein Toxizitätsrisiko darstellt.

Toxizitätsrisiko

Viele ätherische Öle enthalten Stoffe, die bei innerlicher Anwendung potenziell toxisch sind. Zu den risikoreichsten zählen:

 

Oregano (Origanum vulgare):

 

Thymian (Thymus vulgaris):

 

Zimtrinde (Cinnamomum verum):

 

Eukalyptus (Eucalyptus globulus):

 

Wintergreen (Gaultheria procumbens):

 

Tea Tree (Melaleuca alternifolia):

Unzureichende Regulierung und Standardisierung

Im Gegensatz zu pharmazeutischen Präparaten unterliegen ätherische Öle, die zur innerlichen Einnahme bestimmt sind, keiner strengen Regulierung. Es sind keine standardisierten Dosierungen festgelegt, was zu Situationen führt, in denen Verbraucher nicht über ausreichende Informationen zu sicheren Mengen verfügen.

In der Lebensmittelindustrie werden einige Bestandteile ätherischer Öle als Aromen verwendet (GRAS – Generally Recognized As Safe), jedoch handelt es sich um hochgereinigte Stoffe und um Mikromengen. Das ist grundsätzlich unterschiedlich zur Verwendung üblicher ätherischer Öle, die für Kosmetik oder Aromatherapie verkauft werden. Das Bewerben kosmetischer ätherischer Öle als „für den Verzehr geeignet“ kann im Widerspruch zur Gesetzgebung stehen.

 

Sichere Verwendung ätherischer Öle in Naturkosmetik oder in der Aromatherapie.

Spezifische Risiken der innerlichen Anwendung

Schädigung des Verdauungssystems

Hepatotoxizität

Arzneimittelinteraktionen

Neurologische Wirkungen

Sichere Anwendungsformen ätherischer Öle

Inhalation

Topische Anwendung

Aromatische Bäder

Fazit

Die innerliche Anwendung ätherischer Öle stellt im Vergleich zu den potenziellen Nutzen ein unverhältnismäßig hohes Risiko dar. Die extreme Konzentration wirksamer Stoffe, die unzureichende Regulierung und die Möglichkeit schwerwiegender Nebenwirkungen machen diese Praxis für die Laienöffentlichkeit gefährlich.

Die innerliche Anwendung ätherischer Öle sollte ausschließlich unter Aufsicht qualifizierter medizinischer Fachkräfte mit entsprechenden Kenntnissen über Aromatherapie und Interaktionen ätherischer Öle stattfinden. In der Europäischen Union werden ätherische Öle nur dann als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, wenn sie strenge Qualitäts- und Sicherheitskriterien erfüllen. Die meisten auf dem Markt verfügbaren ätherischen Öle sind jedoch nicht für die innerliche Anwendung bestimmt, und ihr Verkauf zu diesem Zweck kann im Widerspruch zur Gesetzgebung stehen.

 

Obwohl viele ätherische Öle aus unserem Sortiment als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft sind, empfehlen wir ihre innerliche Anwendung nicht und verkaufen sie ausschließlich für Zwecke der Aromatherapie und der Herstellung von Kosmetika.